Deutsch-französische Sicherheitspolitik: Vortrag von Dr. Sascha Hach im dfi
Am 22. April 2026 referierte Dr. Sascha Hach vom PRIF, Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, vor über 60 Zuhörerinnen und Zuhörern im dfi über die Entwicklung der deutschen und französischen Sicherheitspolitik seit dem Zweiten Weltkrieg. Das dfi und EUROPE DIRECT Stuttgart haben diese Veranstaltung gemeinsam als Beitrag zu den Französischen Wochen im Großraum Stuttgart organisiert.
Im ersten Teil seines Vortrags stellte Sascha Hach dar, wie sich die deutsche und die französische Sicherheitspolitik seit 1945 entwickelt haben: Während des Kalten Krieges nutzte Frankreich seinen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat und sein Nuklearwaffenarsenal, die „Force de frappe“, dazu, seine sicherheitspolitische Unabhängigkeit zu bewahren und versuchte, sich als Balancemacht zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR zu etablieren. Die deutsche Sicherheitspolitik entwickelte sich im Rahmen von Bündnissen: Laut Grundgesetz ist die 1955 gegründete Bundeswehr eine Parlamentsarmee, über deren Einsatz der Bundestag entscheidet. Strategisch entwickelte Deutschland das Selbstverständnis einer Zivilmacht, deren Credo auf drei Grundsätzen beruht:
- Nie wieder die Verbrechen der NS-Zeit wiederholen und nie wieder ein Aggressor sein!
- Niemals allein, nur im Bündnis!
- Keine Gewaltanwendung, Konfliktprävention vorziehen!
Im zweiten Teil stellte Hach die Herausforderungen für die deutsch-französische Sicherheitspolitik in der Gegenwart dar und legte dabei den Fokus auf den Politikwandel seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 und der Wiederwahl Donald Trumps in den USA im November 2024. Die Ereignisse im Februar 2022 führten in Deutschland und Frankreich zu einer Zäsur in der Sicherheitspolitik: Bis dahin hatte man beiderseits des Rheins stets den Ausgleich mit Russland gesucht, nun aber sprach man in Deutschland von einer „Zeitenwende“ und erklärte in der nationalen Sicherheitsstrategie 2023 Russland zur größten Bedrohung für die Sicherheit Europas; Frankreich bekräftigte diese Position ebenso in seinen Sicherheitsstrategien 2022 und 2025.
In seinem Fazit betonte Dr. Sascha Hach, dass die deutsch-französische und europäische Sicherheitskooperation ausgebaut werden müsse. Dafür müsse Deutschland die Gewohnheit aufgeben, sich von den USA abhängig zu machen, und Frankreich seinen Anspruch als „global player“ reduzieren. In einer künftigen, für beide Seiten gewinnbringenden Sicherheitskooperation könnte Frankreich seine strategische Weitsicht und geopolitische Eigenständigkeit einbringen und Deutschland seinen Pragmatismus und sein Know-how in den Bereichen Rüstungskontrolle und zivile Konfliktbearbeitung.
Bilder: Deutsch-Französisches Institut

