Die dritten Stuttgarter Europagespräche: Irland und Europas Zukunft
Irland, Europa und Stuttgart im Gespräch
Zum dritten Mal bereits fanden die Stuttgarter Europagespräche im Stuttgarter Rathaus statt. Die Veranstaltungsreihe geht auf die Initiative der Landeshauptstadt Stuttgart, Abteilung Außenbeziehungen, zurück und hat zum Ziel europäische Themen dort zu verankern, wo sie konkret werden - in der Stadtgesellschaft. So entsteht ein Rahmen, in dem Stuttgart als international vernetzte Landeshauptstadt europäische Fragen aufgreift, den Dialog mit Bürger:innen stärkt und Europa vor Ort sichtbar macht.
Mit den 3. Stuttgarter Europagesprächen rückte am 7. Juli 2026 ein Land in den Mittelpunkt, das im zweiten Halbjahr 2026 eine besondere europäische Verantwortung trägt: Irland übernimmt den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Unter dem Leitgedanken „Strength with Unity“ setzt die irische Ratspräsidentschaft Schwerpunkte bei Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und europäischen Werten – Themen, die nicht abstrakt in Brüssel oder Straßburg bleiben, sondern auch für eine international vernetzte Stadt wie Stuttgart unmittelbar Bedeutung haben.
Gäste aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und der interessierten Stadtgesellschaft kamen im Stuttgarter Rathaus zusammen, um über Europa in herausfordernden Zeiten zu sprechen. Bereits in den einführenden Worten von Staatssekretärin Cornelia von Loga und Bürgermeisterin Dr. Alexandra Sußmann wurde deutlich, dass Europa nicht nur in den Institutionen gestaltet wird. Europa zeigt sich auch vor Ort: in kommunaler Zusammenarbeit, internationalen Partnerschaften, wie etwa den in Stuttgart sehr lebendigen Städtepartnerschaften, in wirtschaftlichen Beziehungen, kulturellem Austausch und im täglichen Zusammenleben einer vielfältigen Stadtgesellschaft.
Dr. Wolfgang Häfele, Honorargeneralkonsul von Irland, der auch in der Organisation des Events aktiv beteiligt war, gestaltete den inhaltlichen Auftakt. Er ordnete die Ziele und Schwerpunkte der irischen Ratspräsidentschaft ein und schlug zugleich die Brücke zwischen Irland, Deutschland und Baden-Württemberg - räumlich und auch zeitlich. Dr. Häfele erinnerte an die Ratspräsidentschaft Irlands zur Zeit der deutschen Einigung 1990 und veranschaulichte somit abermals die Bedeutung des Ratsvorsitzes und der europäischen Zusammenarbeit. Sein Impuls machte deutlich, wie eng europäische Politik, wirtschaftliche Zusammenarbeit und persönliche Verbindungen miteinander verflochten sind. Gerade Stuttgart, mit seiner starken internationalen Ausrichtung und seinen gewachsenen Beziehungen nach Irland, bietet dafür einen passenden Rahmen.
Im anschließenden Gespräch mit Wolfgang Bücherl, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in München, ging es um die Frage, wie die Europäische Union in einer Zeit geopolitischer Spannungen handlungsfähig bleiben kann. Im Mittelpunkt standen unter anderem demokratische Resilienz, der Umgang mit Desinformation, Wettbewerbsfähigkeit durch Innovation, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sowie die Frage, wie europäische Politik besser vermittelt werden kann. Hierfür war die rezente Kampagne der Kommission #lassreden ein Vorzeigebeispiel. In politischer Bildung und darüber hinaus gilt es verständlich zu machen, dass Europa nicht nur politische Entscheidungen braucht, sondern auch verständliche Kommunikation. Alle europapolitischen Akteure sollten kritische Diskussion ermöglichen und Räume schaffen, an denen Bürger:innen ihre Fragen und Perspektiven einbringen können.
Mit den Stuttgarter Europagespräche möchte die Landeshauptstadt Stuttgart nicht nur über europäische Politik informieren, sondern auch das Land sichtbar machen, das den Vorsitz im Rat der Europäischen Union innehat. Bei der dritten Ausgabe wurde das Format deshalb bewusst um eine stärkere kulturelle Komponente erweitert. So wurde Irland nicht allein über die politischen Prioritäten seiner Ratspräsidentschaft vorgestellt, sondern auch über Musik, Tanz, Literatur und kulinarische Eindrücke erlebbar gemacht. Denn Europa besteht nicht nur aus Gesetzgebung, Programmen und Strategien, sondern auch aus den Geschichten, Traditionen und kulturellen Ausdrucksformen seiner Mitgliedstaaten.
Mit Andreas T. Sturm rückte das literarische Irland in den Blick – insbesondere Oscar Wilde, dessen Werk bis heute Fragen nach Freiheit, gesellschaftlichen Konventionen, Individualität und europäischer Offenheit aufwirft. So entstand eine Verbindung zwischen der politischen Gegenwart Europas und einem kulturellen Erbe, das weit über die Grenzen Irlands hinauswirkt.
Besonders lebendig wurde diese Verbindung durch die Mitwirkung der irischen Community in Stuttgart. Die Halpin School of Irish Dance unter der Leitung von Áine Halpin und die Band Loinnir brachten irische Musik, Tanz und Atmosphäre in den Großen Sitzungssaal des Rathauses. Damit wurde die Veranstaltung nicht nur zu einem politischen Gesprächsabend, sondern auch zu einer Begegnung mit irischer Kultur. Musik, Tanz und kulinarische Eindrücke machten erfahrbar, was Europa im besten Sinne ausmacht: die Vielfalt seiner Länder, die Freude am Austausch und die Bereitschaft, einander zuzuhören.
Die 3. Stuttgarter Europagespräche zeigten damit eindrucksvoll, wie europäische Themen vor Ort greifbar werden können. Die irische Ratspräsidentschaft bot den Anlass, über aktuelle Herausforderungen der Europäischen Union zu sprechen – von Sicherheit über Wettbewerbsfähigkeit bis hin zu Demokratie und Zusammenhalt. Zugleich wurde deutlich, dass Europa dort lebendig wird, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, kulturelle Unterschiede als Bereicherung erleben und gemeinsam nach Wegen suchen, wie unsere europäische Zukunft gestaltet werden kann.
Mit Blick auf Irland, Stuttgart und die Europäische Union wurde an diesem Abend spürbar: Stärke entsteht durch Zusammenhalt – und dieser Zusammenhalt beginnt nicht erst auf europäischer Ebene, sondern auch hier vor Ort.
Bilder: EUROPE DIRECT Stuttgart

